Archive for the ‘Gedichte’ Category

Dem Autoren zu Eigen

Montag, November 9th, 2009

Es sprach der Autor zum Autoren:
Ein E steht gut mir zu Gesicht –
ich beug mich der Grammatik nicht!
Wir Dichter, wir sind unverfroren.

Und schlägt mir gar ein dumpfer Wicht
die Frau Grammatik um die Ohren,
dann soll er in der Hölle schmoren.
Nein, Frau Grammatik folg ich nicht!

Als starker Autor beug ich schwach.
Ich lass mir doch mein E nicht rauben
von jenen, die da Erbsen klauben.
Niemals folg ich der Meute nach!

Des Autors S ist dem Autoren
ein Gräuel, und ich weig’re mich
entschieden, stärker mich zu beugen.
Den Teufel rufe ich zum Zeugen:
S ist des Teufels sicherlich.


Dem Ohrenschützer in aufrechter autörichter Zuneigung gewidmet. ;)

Blas-Femie

Montag, Juli 13th, 2009

Es steigt ein wunderschöner Elch vom Himmel
inmitten einer leergetrunk’nen Welt.
Auf seiner Nase trägt er einen Pimmel,
den der Allmächtige in Händen hält.

Voll Ehrfurcht starrt das Volk auf die Erscheinung,
die so noch keines Menschen Auge sah.
„Verneiget euch, sonst fress ich eure Meinung!“,
so spricht der Rat, „Denn siehe: Er ist da!“

Gott, wie geschmacklos.
Wer schreibt solchen Kack bloß?

Des Elchs Gemächt, er trägt es auf der Nase,
voll Stolz und ohne jede falsche Scham
und röhrt, auf dass ihm jemand einen blase.
(Nun fehlt ein Reim. Seid mir darob nicht gram.)

Doch find’t sich keiner, der ihm zu Gefallen,
denn inhaltlich ist das Organ recht leer.
Das kommt, weil ihm der Sack fehlt. (Und, bei allen
antiken Göttern: Dichten, das ist schwer!)

Schlimmer geht’s nimmer?
Doch, das geht immer!

(Jetzt brauche ich zur Form noch eine Strophe,
jedoch für diese fällt mir gar nichts ein.
Das macht nichts, denn wie ich von Herzen hoffe
fällt’s keinem auf – Hauptsache, es klingt rein.)

Dem Elche wollte keiner einen blasen.
Was tut’s: Er kommt doch passend in der Zeit
und niest den Naseninhalt auf den Rasen.
Das war’s auch schon. Perfekte Handarbeit.

 


Und hier zu allem Überfluss auch noch in einer Hörversion - gelesen von der Autorin selbst, mangels geeigneter technischer Ausstattung via Telefonaufzeichnung:

» hier hören

Das Ding

Sonntag, Juli 5th, 2009

IIIIIIIIICCCCCCCCCHHHHHHHHH
quiekt das Ding, das komische, wenn ich es
anpuste.
Ich hab’s aus diesem
Warenhaus für Merkwürdigkeiten, dort
gibt es noch mehr solch seltsame Sachen.

Es ist rot. Meistens. Jedenfalls oben.
Oder vorne, oder wie das halt
bei solchen Dingern heißt.
Manchmal hat es eine Kapuze auf, das
sieht komisch aus. Ehrlich.

Reinbeißen kann man
schon, sollte man aber
besser nicht.

Ich habe gelesen, dass
auch Kartoffeln
schreien.

(Feb. 2007)