Ein Auge liegt im Stephansdom
(genaugenommen schwimmt es),
betrachtet den Besucherstrom
und denkt an nichts Bestimmtes.
Mit einem Mal betritt ein Pferd
den Dom durch eins der Tore.
Es schaut sich um ganz unbeschwert
und steigt auf die Empore.
Es schüttelt sich und wiehert laut,
die Chorempore kracht.
Sie war wohl nicht für es gebaut -
wer hätte das gedacht!
Dem Auge ist dies ungewohnt.
Das geht, denkt es gekränkt,
weit über meinen Horizont
(denn dieser ist beschränkt).
(1992)
Dies Textchen musste ich erst aus der Koppel befreien; es war mal Mackisch und wollte jetzt gar nicht so recht folgen.
Angeregt hat mich dazu (zum Befreien, nicht zum Schreiben!) dies hier: Mittagspauseninterieur mit Origamipferd (von @Namesitwitt).

