Es steigt ein wunderschöner Elch vom Himmel
inmitten einer leergetrunk’nen Welt.
Auf seiner Nase trägt er einen Pimmel,
den der Allmächtige in Händen hält.
Voll Ehrfurcht starrt das Volk auf die Erscheinung,
die so noch keines Menschen Auge sah.
„Verneiget euch, sonst fress ich eure Meinung!“,
so spricht der Rat, „Denn siehe: Er ist da!“
Gott, wie geschmacklos.
Wer schreibt solchen Kack bloß?
Des Elchs Gemächt, er trägt es auf der Nase,
voll Stolz und ohne jede falsche Scham
und röhrt, auf dass ihm jemand einen blase.
(Nun fehlt ein Reim. Seid mir darob nicht gram.)
Doch find’t sich keiner, der ihm zu Gefallen,
denn inhaltlich ist das Organ recht leer.
Das kommt, weil ihm der Sack fehlt. (Und, bei allen
antiken Göttern: Dichten, das ist schwer!)
Schlimmer geht’s nimmer?
Doch, das geht immer!
(Jetzt brauche ich zur Form noch eine Strophe,
jedoch für diese fällt mir gar nichts ein.
Das macht nichts, denn wie ich von Herzen hoffe
fällt’s keinem auf – Hauptsache, es klingt rein.)
Dem Elche wollte keiner einen blasen.
Was tut’s: Er kommt doch passend in der Zeit
und niest den Naseninhalt auf den Rasen.
Das war’s auch schon. Perfekte Handarbeit.
Und hier zu allem Überfluss auch noch in einer Hörversion - gelesen von der Autorin selbst, mangels geeigneter technischer Ausstattung via Telefonaufzeichnung:


Bei Hofe, bei Hofe. Das müsste das Gedicht bald wieder deutsche Tische stamme eichen. Ja. Und Hatschi!
Kompliment für dieses komische Gedicht, liebe Melusine,
dessen Spezialität darin zu bestehen scheint, im Benennen das Benannte überhaupt erst zu tun [Blas-Femie] bzw. dessen genaues Gegenteil [(Nun fehlt ein Reim. Seid mir darob nicht gram)]. Da goutiert es der Leser auch, wenn du aus scheinbarer Reimnot auf die poetologische Metaebene springst und den armen Elch zum bloßen Dichtmaterial degradierst. Schön das ironische Nebeneinander von eher ekligem Bild und Lob auf die reine Form. Verdientermaßen wird das monströse Tier in der Schlussstrophe wieder in den Mittelpunkt gerückt. Das Ganze ist ein bisschen wie ein Spiegelkabinett. Perfekte Handarbeit!
Vielleicht werde ich später auch nochmal ein oder zwei poèmes de dégoût in meinen Block hochladen.
LG, Lothar
Hihi, da spricht wohl der Germanist aus dir… zumindest hast du erwähnt, du seist Deutschlehrer. Das sind aus meiner Erfahrung meist trockene Patrone, und wenn sie dichten, dann haben sie die Lyrik mit dem Löffel gefressen. Schön, dass es auch Ausnahmen gibt
Das da ist ein Miststück. Sozusagen. Und sogar mit einiger Absicht.
Entstehungskontext: Ärger über moralisierende, silbenzählende Möchtegerndichter und deren Arroganz …
Oh ja, lade! Ich mag poèmes de dégoût!
(Pfft, mein Lieblings-Poète de dégoût ist leider nach zweitägigem Gastspiel allhier sofort und ohne irgendwas zu sagen wieder abgehauen…. war ihm wohl zu gesittet, das alles hier.)
Habe meinen Block wunschgemäß mit etwas Kohlgeruch eingewedelt. Du wolltest es ja nicht anders. Ich hoffe, du hast schon gefrühstückt.