August 20th, 2010 by Melusine
Ein Auge liegt im Stephansdom
(genaugenommen schwimmt es),
betrachtet den Besucherstrom
und denkt an nichts Bestimmtes.
Mit einem Mal betritt ein Pferd
den Dom durch eins der Tore.
Es schaut sich um ganz unbeschwert
und steigt auf die Empore.
Es schüttelt sich und wiehert laut,
die Chorempore kracht.
Sie war wohl nicht für es gebaut -
wer hätte das gedacht!
Dem Auge ist dies ungewohnt.
Das geht, denkt es gekränkt,
weit über meinen Horizont
(denn dieser ist beschränkt).
(1992)
Dies Textchen musste ich erst aus der Koppel befreien; es war mal Mackisch und wollte jetzt gar nicht so recht folgen.
Angeregt hat mich dazu (zum Befreien, nicht zum Schreiben!) dies hier: Mittagspauseninterieur mit Origamipferd (von @Namesitwitt).
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Mai 31st, 2010 by Melusine
Für ‘n Augappel und ‘n Eye
Ach, ich will sie nicht verlieren,
die Kontakte zu den Linsen.
Deshalb nun auf allen Vieren
kriech ich rum. Jetzt muss ich grinsen.
Meine Sicht ist voller Schlieren.
Kein Wunder, die Brille is mal wieder total verschmiert, ich seh ja rein gar nix!
Dies Gedicht ging in die Binsen.

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Mai 21st, 2010 by Melusine
Und als es das vierte Siegel auftat, hörte ich die Stimme der vierten Gestalt sagen: Komm!
Und ich sah, und siehe, ein fahles Pferd. Und der darauf saß, dessen Name war: Der Tod, und die Hölle folgte ihm nach.
Und ihnen wurde Macht gegeben über den vierten Teil der Erde, zu töten mit Schwert und Hunger und Pest und durch die wilden Tiere auf Erden.
(Offenbarung 6, 7-8)
Lass dich durch diese Textstelle aus der Offenbarung anregen und schreibe einen Text dazu. Ob Lyrik oder Prosa, das bleibt dir überlassen. Es geht nicht um Bibelkenntnis. Was zählt, ist deine Fantasie.
Einreichschluss: Sonntag, 20. Juni 2010
Mehr Infos (Teilnahmebedingungen usw.) gibt es » hier im Forum.
(Bild: Rich Man (flickr.com), CC-BY-Lizenz.)
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Mai 7th, 2010 by Melusine
Der eine Nachbar, der war achtbar,
der andre saß oft in der Nachtbar,
sogar wenn’s nicht einmal noch acht war.
Der erste hatte den Verdacht gar,
dass sein Nachbar da ganz nackt war,
was man aber erst nach acht sah,
weil doch die Nacktbar überdacht war.
Am Morgen fragt der Nackte: Nicht wahr,
Sie war’n enttäuscht, dass man mich nicht sah.
Der andere empörte sich gar
sehr, wirklich, das sei nicht wahr,
er sei kein Spanner, doch bei Licht war
des andern Nacktheit deutlich sichtbar,
weil doch das Nachtbardach nicht richtig dicht war.
» Hörfassung (es liest: Der Ohrenschützer)
Originalbeitrag im Ohrenschützer-Blog
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März 24th, 2010 by Melusine
In meiner Suppe schwimmt ein Haar.
Ich rätsle und sinnier:
Das war doch vorhin noch nicht da –
vielleicht ist es von mir?
Oder habe ich es doch
übersehn, es fiel dem Koch
als er kurz den Deckel hob
und seine Haube sich verschob
geradewegs von seinem Kopf
in den Suppentopf?
Aber sollte dieser Mann
kahl sein, von wem wär’ es dann?
Hat der Kellner es verlor’n
als er die Suppe trug nach vorn,
oder ist es gar
ein herrenloses Haar?
Ach, es ist doch ganz egal!
Ich nehm das Haar heraus,
eß meine Suppe und bezahl,
steh auf und geh nach Haus.
Anmerkung: Wie schon die Annabelle ist auch dies Gedichtlein vor geraumer Zeit entstanden. 1. März 1993, sagt mein Rechner. Das wird wohl stimmen. Zumindest was die gespeicherte Endfassung betrifft.
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März 19th, 2010 by Melusine
Annabel, die Küchenschabe,
sitzt in einer Honigwabe.
Wie sie hier hereingekommen,
ist ihr unklar, doch verschwommen
fällt ihr ein, wie sie, seit Tagen
unterwegs mit leerem Magen,
plötzlich süßen Duft gerochen
und in diesen Stock gekrochen.
Er war voll. Infolgedessen
hat sie sich wohl überfressen
und, wie es natürlich eben,
zwei- bis dreimal übergeben.
Darauf schlief sie ein, und nun
fragt sie sich: Was soll ich tun?
Als ich reinkam, war ich dünn,
und nun sitze ich hier drin,
kann nicht vor und nicht zurück,
denn jetzt bin ich viel zu dick.
Doch: kommt Zeit, kommt Rat, und so
geht sie erst einmal aufs Klo
und - weil sie besonders klug ist -
wartet, bis sie dünn genug ist,
kriecht dann durch die enge Lücke,
stolz auf ihre List und Tücke.
Nun sitzt sie draußen vor dem Tor,
genauso hungrig wie zuvor.
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Januar 19th, 2010 by Melusine
Literarchie hat ein neues E-Book. Es ist aus dem Schreibwettbewerb “Die schlechteste Geschichte der Welt” entstanden. Zwar war der Wettbewerb nicht ganz ernst gemeint und die Texte ebensowenig, aber der Spaß am Schreiben ist jedem einzelnen Text anzumerken.
Es wäre wirklich schade gewesen, all die “schlechten Geschichten” in der Versenkung verschwinden zu lassen.
Wie schon das Geburtstagsbuch 2008 ist auch dieses E-Book kostenlos erhältlich.
Mehr Informationen und den Download-Link findet ihr im » Forenblog.
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Dezember 2nd, 2009 by Melusine

Unser Adventskalender ist online - und kann auf die eigene Homepage mitgenommen werden:
http://literarchie.plusboard.de/viewtopic.php?t=3203
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November 9th, 2009 by Melusine
Es sprach der Autor zum Autoren:
Ein E steht gut mir zu Gesicht –
ich beug mich der Grammatik nicht!
Wir Dichter, wir sind unverfroren.
Und schlägt mir gar ein dumpfer Wicht
die Frau Grammatik um die Ohren,
dann soll er in der Hölle schmoren.
Nein, Frau Grammatik folg ich nicht!
Als starker Autor beug ich schwach.
Ich lass mir doch mein E nicht rauben
von jenen, die da Erbsen klauben.
Niemals folg ich der Meute nach!
Des Autors S ist dem Autoren
ein Gräuel, und ich weig’re mich
entschieden, stärker mich zu beugen.
Den Teufel rufe ich zum Zeugen:
S ist des Teufels sicherlich.
Dem
Ohrenschützer in aufrechter autörichter Zuneigung gewidmet.
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November 5th, 2009 by Melusine
Am 19. November feiert die Literarchie ihren “offiziellen” Geburtstag.
Das interessiert euch jetzt natürlich alle brennend und ihr wolltet es ganz dringend wissen.
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